Algorithms rethought – zum fiktionalen Potenzial von Software

Erschienen in: Idee Inhalt Form, Beiträge zur Gestaltung der Gegenwart

Hg. von Prof. Dr. Winfried Speitkamp und Claudia Weinreich im Auftrag der Bauhaus-Universität Weimar, Weimar 2019

Anlässlich des Jubiläums »100 Jahre Bauhaus« ist das Buch »Idee Inhalt Form. Beiträge zur Gestaltung der Gegenwart« entstanden. In 40 Beiträgen stellen Lehrende, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Promovierende, Studierende und Alumni der Bauhaus-Universität Weimar ihre Themen aus Kunst und Forschung vor und vermitteln so ein anschauliches und zeitgemäßes Bild der Bauhaus-Universität Weimar.

Algorithms rethought – das fiktionale Potential von Algorithmen
Ursula Damm, Georg Trogemann

Algorithmen stellen heute in ungekanntem Ausmaß gestaltende Elemente unseres Leben dar als Konstruktionselemente unseres Alltags: Autonomes Fahren, automatisierte Kreditvergabe, algorithmischer Aktienhandel, predictive policing, Partnersuche: Eine automatisiert Handlungsmacht entsteht, deren gesellschaftlichen Auswirkungen heute erst in der Frühphase erkennbar sind. Neben der informatisch-technischen Entwicklung und ihrer spezifischen Probleme werden Algorithmen bisher vor allem unter den Gesichtspunkten ihrer Wirtschaftlichkeit, Sicherheit, Verantwortung, Gerechtigkeit, Ethik, des Schutzes der Individual- und Menschenrechte oder der Privatsphäre behandelt.
Im Folgenden wird dagegen das fiktionale Potential algorithmischer Prozesse untersucht: Algorithmen ist es eigen, Handlungsräume aufzuspannen. Sie schaffen extreme Verdichtungen von Möglichkeitsräumen, welche der Programmierer durch eine Programmstruktur kreiert und sich an der Oberfläche der Maschine als Bilder, Töne, Handlungen manifestieren. Solche algorithmischen Handlungsräume bestimmen nicht nur zunehmend unser Bild von der Wirklichkeit, sie erzeugen unsere Wirklichkeit, als Konkretisierungen im selbst erzeugten Möglichkeitsraum. Algorithmen werden hier auch als Kulturtechnik verstanden, deren ästhetische Schichten es freizulegen gilt. Als konkretes Anwendungsbeispiel betrachten wir das fiktionale Potential von Algorithmen in der Arbeit Membrane von Ursula Damm und Peter Serocka.

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(English version of the text.)